zurück zur Übersicht

 

 

Projekt - Buch „Bergbau in Neunkirchen“

 

Delf Slotta, Saarbrücken

 

 

 

Neunkircher Heft Nr.13(1998)

 

Verkehrsverein Neunkirchen e.V. (Hg.)

 

 

Hinweis:

 

Das Neunkircher Heft Nr. 13 „Bergbau in Neunkirchen“ ist vergriffen. Es kann als Kopie beim Autor erstanden werden.

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Neues entwickeln und Altes bewahren – Vorwort des Präsidenten des Verkehrsverein Neunkirchen e.V., Oberbürgermeister Friedrich Decker (fehlt)

 

Bergbau auf Steinkohlen im Neunkircher Raum – eine Einführung

 

Zur Geschichte und Betriebsentwicklung der Neunkircher Grubenbetriebe

 

Der Neunkircher Grubenweg und seine Bestandteile

 

Von der Idee zum „fertigen Produkt“ – die Zeittafel zum Neunkircher Grubenweg

 

Bilder zur Arbeitswelt des Saarbergmanns (fehlt)

 

Literaturhinweise (fehlt)

 

 

 

 

 

Bergbau auf Steinkohlen im Neunkircher Raum - eine Einführung

 

Neunkirchen, noch vor 150 Jahren eine unbedeutende ländliche Siedlung, verdankt seine heutige Größe und Bedeutung der seit dem 16. Jahrhundert vorhandenen Eisenhütte und dem im 19. Jahrhundert stark expandierenden Steinkohlenbergbau. Die im Zuge dieser Entwicklung im Neunkircher Raum gegründeten Grubenbetriebe bauten dabei die dem Westfal C zugeordneten Fettkohlenschichten ab. Die reichen Vorkommen und die günstigen Lagerungsverhältnisse waren die wesentlichen Gründe für das Entstehen großer und leistungsfähiger Bergwerke.

 

Die vom Preußischen Bergfiskus gegründeten bzw. sukzessive erweiterten Anlagen König, Heinitz, Dechen und Kohlwald waren ebenso wie die seit dem 16. Jahrhundert bestehende Grube Wellesweiler Inbegriffe für Innovation und wirtschaftlichen Aufschwung. Über Jahrzehnte hinweg garantierten sie Zehntausenden von Menschen Arbeit und ein gesichertes Einkommen. Zudem verhalfen sie der im Bergbau arbeitenden Bevölkerung zu einem gewissen Wohlstand, wie er in der vorindustriellen Zeit zu keinem Zeitpunkt bestand. Es bleibt also festzuhalten, dass die vor allem im 19. Jahrhundert im Neunkircher Raum angesiedelten industriellen Betriebe des Eisenhüttenwesens und des Steinkohlenbergbaus Neunkirchen in seiner Wirtschafts- und Sozialstruktur und seinem Siedlungs- und Landschaftsbild entscheidend verändert haben. Welche Anteile an diesen Veränderungsprozessen die verschiedenen Neunkircher Grubenbetriebe gehabt haben, wird in den den einzelnen Gruben gewidmeten Beiträgen dargestellt.

 

Die Stillegung sämtlicher im Stadtbereich Neunkirchen bestehender Bergwerksbetriebe veränderte die Stadt. Bereits 1936 musste die Grube Wellesweiler aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden. 1962 bzw. 1968 vollzog der saarländische Steinkohlenbergbau mit der Umsetzung der beiden sog. "Generalpläne" der Saarbergwerke AG und unterstützt durch staatliche Lenkung eine Anpassung an die seit Ende der 1950er Jahre veränderte Energiemarktsituation. Es kam zu einer Standortverlagerung der Kohlengewinnungspunkte in den westlichen Teil der saarländischen Steinkohlenlagerstätte sowie zur Schaffung immer leistungsstärkerer Betriebseinheiten. Als Folge davon wurden zwischen 1962 und 1968 die Gruben Heinitz, Kohlwald, Dechen, König sowie die Kokerei Heinitz stillgelegt, was wiederum Auswirkungen auf andere Bereiche des produzierenden Gewerbes und des Dienstleistungssektors in Neunkirchen nach sich zog.

 

Der mit den Grubenschließungen einhergehende Belegschaftsabbau der Saarbergwerke AG führte zu einem Verlust von insgesamt 10.300 Arbeitsplätzen im Wirtschaftsraum Neunkirchen. Parallel mit dem Arbeitsplatzrückgang zeigten sich zudem negative Auswirkungen auf den Pendlereinzugsbereich, die ebenfalls in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Niedergang der Steinkohlenbetriebe gesehen werden müssen. Während 1961 noch 20.204 Berufspendler in Neunkirchen gezählt werden konnten, belief sich deren Zahl im Jahr 1970 nur noch auf 13.410.

 

Die neuen Rahmenbedingungen bedingten eine Neuorientierung der Kreisstadt vor allem im wirtschaftlichen Bereich. Innerhalb dieses angestrebten Strukturwandels vom Montanstandort hin zum modernen Wirtschafts- und Dienstleistungszentrum kam der Neuschaffung großer und attraktiver Gewerbegebiete zentrale Bedeutung zu. Vor allem die Frage der Reaktivierung der ehemaligen Bergbauflächen rückte in den Mittelpunkt stadtplanerischer Aktivitäten. Insgesamt galt es, über 300 ha früher bergbaulich genutzter Flächen, die zum größten Teil aus Tagesanlagen, Bergehalden und Absinkweihern bestanden, zu rekultivieren bzw. unter Beachtung der spezifischen bergbaulichen Gegebenheiten wieder gewerblicher Nutzung zuzuführen.

 

Bereits Mitte der 1970er Jahre hatten hierfür die Kreisstadt, das Land und die Saarbergwerke AG im Rahmen einer Gemeinschaftsinitiative das "Handlungsprogramm Grubengelände Neunkirchen" erarbeitet. Im Zuge der Umsetzung der darin festgeschriebenen Vorgaben konnten seitdem mehrere Flächen und eine Vielzahl ehemaliger bergbaulicher Betriebsgebäude neuen Nutzungen zugeführt werden. Dieses gilt für die Gebäude und Flächen der Tagesanlagen der ehem. Grube Heinitz, die, zwischenzeitlich weitestgehend privatisiert, heute einen wichtigen gewerblichen Standort bilden. Nach dem Ankauf der größten Teile des ehemaligen Grubengeländes König durch die Stadt und der Sanierung der aufgelassenen dortigen Industrieflächen erhielt das dortige Gelände eine neue Verkehrsinfrastruktur. Die geschaffenen großen Gewerbeflächen sind zwischenzeitlich alle belegt. Im ehemaligen Kesselhaus der Grube König wurde ein modernes Abfallheizkraftwerk installiert. Das Grubengelände Dechen und das Areal der ehemaligen Schachtanlage Hermine befinden sich noch im Eigentum von Saarberg und werden als betriebsinterner Kohlenlagerplatz genutzt. Für die Anlage Kohlwald, die bis vor wenigen Jahren noch betrieblich genutzt wurde, wird zur Zeit ein Bebauungsplan für eine gewerbliche Nutzung erstellt. Die dortigen Bergehalden und Absinkweiher wurden rekultiviert oder der Sukzession überlassen. Ebenso wie die vom Bergbau umgestalteten, im Heinitzer Raum gelegenen Bereiche des Weilerbachtales und des Binsentals sind sie der Natur zurückgegeben worden und zählen heute als sog. "Sekundär-Biotope" zu den aus Naturschutzsicht wertvollsten Flächen im Neunkircher Stadtgebiet.

 

In vielerlei Fällen bedingten die vorgesehenen Folgenutzungen den Abbruch der früheren Tagesanlagen. Eine Ausdünnung des bergbaulichen Objektbestands im Gebiet der Kreisstadt war die Folge. Aus der Erkenntnis heraus, dass ohne ein bewusstes Gegensteuern der Bergbau bald aus dem Blickfeld und der Erinnerung der Bevölkerung verschwunden sein würde, wurde mit den "Neunkircher Grubenwegen" eines der umfangreichsten kommunalen Projekte zur Dokumentation und Erläuterung industriekultureller Zusammenhänge im Saarland beschlossen und umgesetzt. Heute besteht Einigkeit darüber, dass die Kreisstadt Neunkirchen mit der Schaffung ihrer Grubenwege über eine geeignete Einrichtung verfügt, ihre bergbaulichen Wurzeln angemessen zu präsentieren. Entsprechend behandelt dieses dem Neunkircher Bergbau gewidmete Neunkircher Heft zweierlei: die historische Komponente dieses für den Neunkircher Raum so wichtigen Themas und die auf Darstellung und Dokumentation dieser Schlüsselindustrie ausgerichteten Anstrengungen der Kreisstadt.

 

 

 

Zur Geschichte und Betriebsentwicklung der Neunkircher Grubenbetriebe

 

 

 

Die Gruben Heinitz und Dechen

 

 

Bei der Generalbefahrung des Jahres 1843 entschloss sich der preußische Bergfiskus zur Errichtung einer Schachtanlage südwestlich von Neunkirchen. Im Vordergrund standen dabei Überlegungen, dass durch die geplante Bahnlinie Saarbrücken-Bexbach eine Absatzsteigerung für Steinkohlen erreicht werden könne. Die zunächst noch recht vagen Vorstellungen über den neuen Förderstandort nahmen konkretere Formen an, als im Jahr 1845 die divergierenden Interessen innerhalb des Saarbrücker Eisenbahnkomitees zugunsten einer übergeordneten staatlichen Lenkung des Eisenbahnbaues überwunden wurden. Am 12. Juli 1847 konnte endlich mit den Arbeiten am Vortrieb eines Stollens im Bereich des oberen Holzhauertales begonnen werden, der nach dem preußischen Staatsminister und Chef des Bergwerks- und Hüttendepartements Friedrich Anton Freiherr von Heinitz (1725- 1802) benannt wurde. Der kombinierte Förder- und Wasserlösungsstollen, dem zudem die Wetterversorgung des zu erschließenden Kohlenfeldes zukam, wurde im Laufe der Jahre 1100 m weit vorgetrieben und schloss gute Kohlenvorräte auf.

 

Wesentlichste Voraussetzung für den weiteren Ausbau der Grube war ein Anschluss der Anlage an das südwestdeutsche Eisenbahnnetz. Am 7. September 1850 war die Stichbahn, die den neuen Betriebspunkt Heinitz mit dem Bahnhof Neunkirchen verband, fertiggestellt. Die günstige Entwicklung der Grube ließ sich u.a. daran ablesen, dass sich innerhalb von nur drei Jahren die Belegschaft von 11 Hauern beim Anhauen des Stollens auf 690 Arbeiter im Jahre 1850 erhöht hatte und die Förderung von 108 t im Jahre 1850 auf über 10.000 t im Jahre 1852 angestiegen war. Nachdem im Jahre 1850 die erste Koksofenbatterie den Betrieb aufgenommen hatte, wurde die Grube im darauffolgenden Jahr von der Grube König abgetrennt und erhielt ihre Selbständigkeit. Der Ausbau schritt voran. 1851 setzte man dicht beim Stollenmundloch den Heinitz-Schacht l an, 1852 teufte man den Schacht Heinitz 2 unweit daneben ab. Über und unter Tage nahm man erhebliche Vergrößerungen der Tagesanlagen bzw. des Grubengebäudes vor. U.a. wurde 1855 der Schacht Heinitz 3 abgeteuft und mit einer repräsentativen Schachtturmarchitektur versehen. 1866 folgte der Heinitz-Schacht 4, den man in schmalen Dimensionen bis zur Saarsohle niederbrachte. Der Heinitz-Stollen war im Jahr zuvor als Förderbetriebspunkt eingestellt worden. 1855 förderte man mit einer Belegschaft von über 1.300 Mann bereits etwa 200.000 t Steinkohle und produzierte rd. 40.000 t Koks.

 

Die guten Ergebnisse der Grube Heinitz führten zur Errichtung einer neuen Grubenanlage. Ein Ministerialerlaß vom 21. September 1853 bestimmte, dass zur Steigerung der Förderung ein neuer Förderstandpunkt zwischen den Anlagen Heinitz und König eröffnet werden solle. Zwei Schächte wurden daraufhin in der Nähe des Waldbächer Weihers angeschlagen. 1854 begannen im unteren Holzhauertal die Abteufarbeiten am westlichen dieser sog. "Mittelschächte", 1856 wurde der zweite Schacht angehauen. 1855 taufte die Bergverwaltung den neuen Schachtstandort nach dem Direktor des Oberbergamtes Bonn, Oberberghauptmann Dr. Heinrich von Dechen (1800-1889), in Grube Dechen um. Am 29.12.1956 erfolgte die Anbindung der Grube an die Zweigbahn Neunkirchen-Heinitz. 1867 war schließlich der Schacht Dechen 3 niedergebracht worden. Er wurde unterhalb der Flottwellsohle in Ringen aus doppeltem Winkeleisen und T-Trägern verbaut und gilt als erster Schacht im Saarrevier, in welchem "Eiserner Ausbau" Anwendung fand.

 

Abgesehen von den enormen Wasserzuflüssen, die vor allem die Arbeiten auf der Anlage Dechen immer wieder behinderten, entwickelten sich beide Schachtanlagen in der Folgezeit ausgesprochen gut. Nach einem vorübergehenden Rückgang der Förder- und Belegschaftszahlen während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 ging der Abbau immer stärker in die Teufe und dehnte sich auf entferntere Gerechtsamsbereiche aus. Eine Vielzahl von Investitionen wurden getätigt. Der Schacht Heinitz 3 erhielt im Etatjahr 1883/84 ein 25 m hohes eisernes Seilscheibengerüst. Das vorhandene steinerne Schachtgerüst, ein sogenannter "Malakoff- Turm", hatte durch die 1875 aufgestellte, 600 PS leistende Zwillingsdampfmaschine starke Risse bekommen. Die Versuche, den Turm, der zum Wahrzeichen von Heinitz geworden war, dauerhaft zu sichern, schlugen fehl. Im Jahre 1912 wurde er abgebrochen.

 

Der Geisheck-Schacht l (1881 abgeteuft), der Geisheck-Schacht 2 (1897 abgeteuft), der Bildstock-Schacht (1887 abgeteuft), der Mosel-Schacht (1886 abgeteuft), der Eichen-Schacht (1911 abgeteuft; erster Name: Spülschacht, zweiter Name: Franzschacht), der Marsaut-Schacht (1911 abgeteuft; auch West-Schacht genannt) wurden niedergebracht. Als Folge davon avancierte die Anlage um die Jahrhundertwende zur größten Saargrube. 1900 erbrachten 5.500 Arbeiter eine Jahresförderung von 1,25 Mio t. Auch die Heinitzer Kokerei entwickelte sich zur größten Anlage im Saarrevier, nachdem man aus Rentabilitätsgründen die auf der Grube Dechen in den Jahren 1904/05 stillgelegt hatte. Gleichzeitig mit dem erfolgreichen Ausbau der Heinitzer Kokerei ging der Bau einer in diesem Ausmaß im Saarrevier bislang nicht gekannten elektrischen Gasmaschinenzentrale vor sich, in der man das Kokereigas zum Betreiben von Großgasmaschinen verwendete. Außerdem verbesserte man durch Untersuchungen den Koks hinsichtlich seiner Festigkeit, so dass er sich nunmehr zum Verhütten eignete.

 

In den 1930er Jahren setzten unter der Verwaltung der Saargruben AG weitere Modernisierungsmaßnahmen ein. Neue Kesselhäuser, Siebereien und Wäschen entstanden. Die Gestellförderung an den Hauptförderschächten Heinitz 3 und Dechen 2 wurde durch eine 7,5 t fassende Gefäßfördereinrichtung (Skipförderung) ersetzt. Im Jahr 1937 wurde zur Pressluftversorgung der beiden Grubenabteilungen Heinitz und Dechen eine gemeinsame Kompressorenanlage mit großen Turbokompressoren auf der Anlage Heinitz installiert. In den Strecken wurde der Holzausbau in großem Umfang durch eisernen Streckenausbau, bestehend aus einem mit den Saarhütten entwickelten, dreiteiligen Doppel-T-Streckengestell mit Flanschenverbindung im Metergewicht von 24,7 Kg, ersetzt. Zur Förderung in den Streben wurden die vorhandenen Hängerutschen durch Rollenrutschen ersetzt. Die in der Hauptstreckenförderung eingesetzten Benzollokomotiven wurden nach und nach von Diesellokomotiven abgelöst. Im Jahr 1938 erreichten beide Gruben im Zuge der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reichs ihre größte Förderung und höchste Leistung. Die Grube Heinitz förderte mit 2.600 Mann fast l Mio t, die Grube Dechen mit 2.040 Mann rund 800.000 t Steinkohlen. Doch zeichnete sich bereits zu diesem Zeitpunkt ab, dass die Kohlenvorräte beider Gruben nur noch für eine begrenzte Zahl von Jahren ausreichen würden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestanden beide Gruben zunächst noch als selbständige Schachtanlagen weiter, wobei auf der Grube Heinitz vor allem die Kokereianlagen ausgebaut wurden. In der Zeit der Kohlenkrise wurden an der Saar die Fördermengen drastisch heruntergefahren und über weitgehende Betriebszusammenlegungen die Anzahl der Förderstandorte verringert. 1961 betrug die Jahresförderung der Grube Heinitz 864.956 Tonnen. Die Belegschaft zählte 2.659 Mitarbeiter und erbrachte eine Leistung von 1.925 Kg/Mann und Schicht. Ab Juli 1962 erfolgte auf der Grube Heinitz einschichtiger Betrieb mit der Konzentration auf die günstigsten Flöze der Grube. 900 freigewordene Arbeitskräfte wurden auf andere Gruben bzw. Saarbergbetriebe verlegt. Am 24. November 1962 legte man die Grube Heinitz still, während der Kokereibetrieb noch bis zum 4. September 1963 weitergeführt werden konnte. Am 1. Januar 1963 wurde die Grube Dechen der Betriebsdirektion König unterstellt. Gleichzeitig wurden die Strecken zum untertägigen Verbund der beiden Gruben angesetzt und aufgefahren. Am 19. August 1963 erfolgte der Durchschlag. Zur Förderung der Kohlen aus dem Feld der früheren Grube Dechen wurde der Wilhelm-Schacht 2 der Grube König bis zur 7. Sohle tiefergeteuft, rund -mit 5,50 Meter Durchmesser- neu ausgebaut und ins Lot gebracht. Mitte Juli 1963 erreichte der Schacht seine Endteufe. Mit der Stillegung der Tagesanlage Dechen konnte auch die 1939 in Betrieb genommene Seilbahn zum Transport der Rohwaschkohle zur Tagesanlage König abgeworfen werden. 1963, im letzten Jahr ihrer Selbständigkeit, beschäftigte die Grube Dechen insgesamt 1.746 Mitarbeiter. Die Jahresförderung betrug 629.048 Tonnen bei einer Schichtleistung von 2.154 Kg/Mann. Mit Wirkung vom 01. Januar 1964 wurde die Grube Dechen mit der Grube König zum Verbundbergwerk König-Dechen zusammengelegt.

 

 

 

Die Grube Kohlwald

 

 

Bereits im 15. Jahrhundert hat man in der Umgebung von Wiebelskirchen und im "Kohlwald" nach Steinkohlen gegraben. Im Jahre 1750 wird eine Grube im Kohlwald erwähnt. Am 12. Oktober 1764 wurde ein Georg Nikolaus Köhler aus Griesborn als Steiger für die Gruben im Kohlwald bestellt: Er sollte dafür sorgen, dass die ausgekohlten Hohlräume ordnungsgemäß versetzt würden und dass kein Raubbau umging. Graf von Beust ließ am 17. November 1815 von der Grube Kohlwald unter anderem festhalten: "Sie liegt eine halbe Stunde nordwestlich von Neunkirchen im Provisorischen (meint: im vom preußischen Staat vorläufig verwalteten Gebiet), von allen Hauptstraßen entfernt. Die Wege, welche von allen Seiten zu diesem Werke führen, sind in einem sehr schlechten Zustande, und bey schlimmem Wetter zum Theil gar nicht zu passiren. Die Grube ist mit 87 Mann belegt und es werden von solchen jährlich an 8.000 Fuder Kohlen gewonnen, die meist in die umliegenden Ortschaften, theils auch in den Hundsrück und in die Pfalz abgesetzt werden". Um 1820 standen drei Flöze im Abbau, die vom Eulental aus durch den sog. "Eulentalstollen" durchfahren worden sind. Daneben existierten rund 45 bis 50, auf dem Ausgehen der Flöze angesetzte und einfallend betriebene, mit breiten Abbaustrecken versehene Tagesförderstrecken, die mit durchschnittlich jeweils 2 Mann belegt waren.

 

Bei der 6. Generalbefahrung der Grube Kohlwald am 17. August 1821 wurde deren Einstellung beschlossen, da die Kohlengewinnung zu große Holzmengen benötigte, und man die neu eröffnete Grube König mit ihren mächtigen Fettkohlenflözen mit größerem Erfolg betreiben zu können glaubte, und darüber hinaus der Bedarf an Steinkohlen im Bezirk der damaligen 2. Bergmeisterei durch die Förderungen der Gruben König und Wellesweiler gedeckt erschien. Die Oberberghauptmannschaft bestätigte am 10. Dezember 1821 diesen Stillegungsbeschluss. Die Kohlenvorräte wurden verkauft, die Materialien an die Grube König abgetreten und die Grube am 22. Oktober 1823 förmlich totgefahren.

 

Erst im Jahre 1843 wurden im Kohlwald wieder Schürfversuche aufgenommen, die zur Entdeckung von acht bauwürdigen Flözen führten. Das Ergebnis der Untersuchungsarbeiten wurde jedoch erst ab dem Jahr 1866 ausgewertet, als der Abbau im Ziehwaldfeld in der oberen Sohle schon seinem Ende entgegen ging. Dort hatte man 1857 den Ziehwaldstollen angefahren, der mehrere bauwürdige Flöze durchörtert hatte. Der Betrieb wurde dort auf den Flözen 2 und 3 eröffnet und zu Tage ein Zechenhaus, eine Werkstätte und Sturzmauern errichtet, um den Absatz zu erleichtern. 1862 konnte ein Anschlussgleis zum Stollen verlegt werden, wodurch sich der Transport wesentlich vereinfachte. Der Abbau selbst erfolgte durch diagonale Strecken, die Förderung mit Schlitten. 1865 betrug die Förderung bereits mehr als die Hälfte der gesamten Förderung der Grube König. In diesem Jahr wurde ein Wetterschacht im östlichen Feld des Ziehwaldes bei Wiebelskirchen abgeteuft, in den Hauptstrecken Pferdeförderung eingerichtet und der Weg vom Stollen bis zur Landstraße Neunkirchen-Wellesweiler ausgebaut.

 

Ende des Jahres 1867 wurde östlich des Neunkircher Bahnhofs an der Rhein-Nahe-Bahn mit dem Abteufen eines Schachtes begonnen, der zur tieferen Wasserlösung und zur Ausrichtung der im Kohlwald erschürften Flöze diente. Er wurde mit der Ladeanlage am Mundloch des Ziehwaldstollens verbunden. Später erhielt dieser Schacht, der zunächst als Rhein-Nahe-Bahn-Schacht geführt worden war, zu Ehren des Geheimen Bergrates Wilhelm Follenius (1830-1902), der von 1863 bis 1874 zudem Leiter der Gruben Reden und König war, den Namen Folleniusschacht. Ein 1868 am südöstlichen Abhang des Kohlwaldes niedergebrachter weiterer Schacht diente zur Untersuchung der bereits erschürften Flöze und wurde durch einen Querschlag mit dem Folleniusschacht verbunden. Der Querschlag wurde als Pferdeförderstrecke, später als Kettenförderstrecke ausgebaut und so die im Kallenbergflöz gewonnenen Kohlen zum Folleniusschacht gefördert.

 

1880 wurde das Ziehwaldfeld nach einer Gesamtförderung von 1,59 Mio t eingestellt, da die Flöze 2 und 3 vollständig verhauen waren. Von diesem Zeitpunkt an erscheint der Standort Oberschmelz in der Entwicklung der Grube Kohlwald. Dort wurde eine Tagesstrecke zum Materialtransport und zur Fahrung für das Kohlwaldfeld angesetzt und ein Wetterschacht bis zur oberen Teilungssohle im Kallenbergfeld niedergebracht, der mit einem Guibal-Ventilator ausgestattet wurde. Die alte Fördermaschinenanlage im Kohlwald wurde daraufhin abgeworfen. Im Jahre 1884 wurde das vor 61 Jahren stillgelegte alte Kohlwaldfeld wieder in Betrieb genommen. Die alten Baue im Eulentalstollen wurden aufgewältigt und zur tieferen Lösung des Feldes der sog. Gegenortschacht beim Forsthaus Kohlwald angeschlagen. Die Förderung ging nach erfolgtem Durchschlag mit der Kettenförderstrecke zum Folleniusschacht, der inzwischen einen Bahnanschluß erhalten hatte.

 

Im Jahre 1890 wurden die beiden nach der Frau des Bergrats Prietze benannten Hermine-Schächte auf der Oberschmelz angehauen, die die hangenden Flöze der Grubenabteilung König mit frischen Wettern versahen und gleichzeitig zum Aufschlug der in der Flamm- und Fettkohlenpartie der Abteilung Kohlwald anstehenden Flöze dienen sollten. Im nächsten Jahr wurde zur Untersuchung der Lagerung östlich des Kohlwaldsprunges der Anna-Schacht l, benannt nach der Ehefrau des Oberberghauptmanns Gustav von Velsen, angehauen. Die Aufschlüsse waren indessen wenig günstig: bis 237 m Teufe durchsank der Schacht nur zwei Flöze und traf bis zur Teufe von 360 m, bei der das Teufen gestundet wurde, keine weiteren bauwürdigen Flöze mehr an. Man sah sich deshalb veranlasst, im Jahre 1896/1897 neben dem Folleniusschacht den nach der Frau des Bergrats Lohmann benannten Minna-Schacht anzusetzen, mit dem man die Fettkohlenflöze zwischen dem Hermine- und dem Follenius- schacht ausrichten wollte. Der Minna-Schacht wurde bis zur Teufe von 508 m niedergebracht, ohne bauwürdige Flöze zu durchfahren. Von der Oberschmelz aus trieb man daraufhin auf dem Flöz Carlowitz zwei einfallende Strecken, um eine Wetterverbindung mit dem neuen Schacht herzustellen. Der Durchschlag mit dem von dort vorgetriebenen Querschlag ins Hangende erfolgte rund 100 m vom Schacht entfernt. Da letzterer auch zur Erschließung der Fettkohlenpartie des Ziehwaldfeldes dienen sollte, wurde einige Jahre später in 500 m Teufe ein Querschlag ins Liegende aufgefahren, der bei 245 m Länge die Fettkohlenpartie in bauwürdiger Beschaffenheit erreichte. Die Arbeiten wurden jedoch durch starke Ausgasungen beeinträchtigt, die schließlich zur Stundung der Arbeiten führten. Der Minna-Schacht diente deshalb nur der Wetterführung und Wasserhaltung der Grube König.

 

1898 bis 1900 waren auf dem Flöz Anna des Anna-Feldes Untersuchungsstrecken aufgefahren worden. Zur Einleitung des Abbaus setzte man neben dem Förderschacht einen Ventilatorschacht an. Die geförderten Kohlen wurden auf dem Landwege abgesetzt. Durch den "blinden Anna-Schacht" stellte man später nach der Durchörterung des Kohlwaldsprunges durch die Richtstrecke Kallenberg die Verbindung mit dem übrigen Kohlwaldfeld her. Allseitig von Sprüngen eingeengt versprach das Annafeld keine lange Lebensdauer. Da zudem der Verhieb in der Flammkohlenpartie an der Oberschmelz seinem Ende entgegenging und auch der Verhieb der Flöze im Gegenortfeld wegen der geringen streichenden Ausdehnung rasch zur Teufe hin vorrückte, wurde im Jahre 1901 am Nordabhang des Ziehwaldsattels zwischen Hangard und Wiebelskirchen zur Untersuchung der Lagerstättenverhältnisse ein Bohrloch bis in 1177 m Teufe niedergebracht. Bei 400 m Teufe durchfuhr man ein bauwürdiges Flöz, zwischen 540 m und 600 m eine Gruppe stärkerer Kohlenbänke und anschließend unter einem Sprung mehrere mächtige Flöze mit hackender Kohle. 1902 wurde auch bei Fürth und im folgenden Jahr l km südlich von Ottweiler je ein neues Bohrloch angesetzt. Das erste traf bei 730-760 m Teufe das Holzer Konglomerat, bei 800 m ein Flöz von 2,36 m Mächtigkeit und bis 909 m Teufe mehrere schwächere Bänke. Die zweite Bohrung durchteufte die obere und untere Flammkohlenpartie in guter Beschaffenheit und durchsank von 1345 m ab vier bauwürdige Flöze der Fettkohlenpartie. Die Bohrung wurde noch bis in 1803 m Teufe niedergebracht und stellte die damals tiefste Bohrung des Saarreviers dar.

 

Die ersten Jahre nach der Jahrhundertwende brachten für die Anlage Oberschmelz den Beginn einer stärkeren Entwicklung. Der Ventilatorschacht hatte 1905 den Durchschlag mit der 6. Sohle erreicht und wurde mit einem Rateau-Ventilator ausgerüstet. Ein Luftkompressor wurde aufgestellt, eine Schachthalle und eine Verladebühne errichtet und der Bahnanschluss erweitert. Unter Tage trieb man Vorrichtung und Gewinnung in den sog. liegenden Flözen sowie in den hangenden Flözen der Fettkohlenpartie (Carlowitz, Borstel, Wrangel und Waldemar). Durch die Herstellung einer Verbindung mit dem Sinnerthaler Wetterschacht und durch den Querschlag der Grundstrecke Waldemar mit dem Minnaquerschlag erzielte man eine wesentliche Verbesserung der Bewetterung des gesamten Feldes. 1913 wurde die Seilfahrt im Hermine-Schacht bis zur 6. Sohle eingerichtet und die Wasserhaltung durch eine elektrische Pumpe erreicht.

 

1914 wurden die Baue auf dem liegenden Flöz l durch einen Grubenbrand oberhalb der 1. Sohle eingestellt und die Baue im Fettkohlenfeld stärker belegt, so dass die Förderung von 57.114 t im Jahr 1914 auf 83.341 t im Jahr 1915 anstieg. Dieser Aufstieg wurde jedoch durch einen Bruch des Kreuzkopfes an der Fördermaschine des Hermine-Schachtes am 07. Februar 1916 unterbrochen, so dass die Belegschaft auf die Gruben Kohlwald, König und Wellesweiler verlegt werden musste. Erst am 09. Mai 1917 konnte auf der Hermine-Schachtanlage, die mit Wirkung vom 01. April 1917 der Abteilung König zugeteilt worden war, wieder gefördert werden.

 

Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Grube Kohlwald war der Anhieb des Anna-Schachtes 2 im Jahre 1911 bei Wiebelskirchen zur Wasserlösung der hangenden Flammkohlenpartie. Bis zum 31. Dezember 1913 war der Schacht fertig geteuft und ausgebaut und die Tagesanlagen hergestellt, so daß Ende des Jahres 1915 die Anlage bis auf die erst im Mai 1917 fertiggestellte Anschlussbahn und die 1919 vollendete Wäsche dem Betrieb übergeben werden konnte.

 

Unter der Mines Domaniales Francaises wandte man sich dem Feld beim Gegenortschacht zu. Dort war nur ein Streifen von 500 m Breite in streichender Richtung zwischen zwei großen Verwerfungen im Abbau, die außerhalb dieses Streifens liegenden Felder waren nicht aufgeschlossen. Daher kam es, dass vor 1920 die Baue am Ortsrand von Schiffweiler eingestellt worden waren. Außerhalb dieses abgebauten Streifens wurde das Feld jetzt in streichender Richtung aufgeschlossen, und zwar 400 m nach Westen und 200 m nach Osten. Da es sich überall als abbauwürdig erwies, wurden die Lagerungsverhältnisse unter Schiffweiler durch Querschläge und Blindschächte untersucht. Angesichts des großen Kohlenreichtums, angegeben wurden 69 Mio t Flammkohlen, entschloss sich die französische Verwaltung zur Anlage der nach einem französischen Geologen benannten Marcel-Bertrand-Schächte (Schiffweiler Schächte). Der Schacht l der neuen Anlage wurde im Jahre 1924 niedergebracht, im November 1927 waren die Teufarbeiten abgeschlossen. Am 17. September 1928 konnte der neue Seilfahrts- und Wetterschacht in Betrieb genommen werden.

 

1927 und 1928 wurde das Annafeld aus- und vorgerichtet. Der Gegenortschacht erhielt einen neuen Rateau-Ventilator mit einer Leistung von 5000 m3/min, am Anna-Schacht 2 wurde die Anzahl der Dampfkessel von acht auf zwölf erhöht, ein Kühlturm errichtet, um den 1200 PS starken Kompressor nutzen zu können, und eine Kohlensturzbühne für 8000 t/Tag erbaut. Im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches kam der Grube Kohlwald eine gesteigerte Bedeutung zu. Die aus- und vorgerichteten Feldesteile wurden abgebaut, ohne indessen die Aus- und Vorrichtung zunächst weiterzubetreiben. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Kohlenvorräte weitgehend abgebaut, so daß man zu Beginn der 1950er Jahre wieder zu intensiven Aus- und Vorrichtungsarbeiten und zu einem neuen Zuschnitt der Grube übergehen musste. Auf der Schachtanlage Kohlwald 2 wurde 1954 mit dem Teufen des Anna-Schachts 4 begonnen und die neue Schachtanlage Kohlwald 2/4 zur Hauptförderanlage ausgebaut. Der Schacht Follenius war bereits 1934 aufgegeben und verfüllt worden. 1959 und 1960 warf man die alte Schachtanlage Kohlwald l und die beiden Anna-Schächte l und 3 ab. Die Förderung der Steinkohle erfolgte jetzt über die Anna-Schächte 2 und 4.

 

Im Generalplan I der Saarbergwerke AG waren für den Zeitraum zwischen 1958 und 1965 die Förderzahlen der Saargruben von ursprünglich 17 auf 14 Mio t verringert worden. Im April 1959 wurde die Bexbacher Grube Barbara stillgelegt und ihr Feld der Grube Kohlwald zugewiesen. Mit dem Durchschlag der untertägigen Grubenfelder König und Kohlwald am 16. Juni 1965, wozu eine 1.875 m lange Strecke aufgefahren werden musste, war der Verbund eingeleitet. Mit der Einführung des einschichtigen Betriebes war ab dem 01. August 1965 eine Teilstillegung der Grube Kohlwald verbunden. Das Schiffweilerfeld kam zur Grube Reden. Der Durchschlag auf der 5. Sohle zwischen Reden-Schacht 3 und Marcel- Betrand-Schacht 2 erfolgte am 26. April 1966, der auf der 6. Sohle war am 14. Februar 1967. Im Jahr 1965 betrug die Zahl der Beschäftigten auf der Grube Kohlwald noch 1.669. Die Grube wies eine Jahresförderung von 928.691 t Steinkohle bei einer Schichtleistung von 2.922 Kg/Mann auf. Bei der Stillegung der Grube Kohlwald am 31. März 1966 betrug die Leistung der unter Tage arbeitenden Bergleute 3.200 Kg/Mann und Schicht.

 

 

 

Die Grube König

 

 

Sieht man von vereinzelten Schürfversuchen während der napoleonischen Ära ab, als in dem unmittelbar westlich des Ortes Oberneunkirchen gelegenen Talzug die zutage tretenden Steinkohlenflöze angegraben wurden, so fällt die Eröffnung einer neuen Steinkohlengrube bei Neunkirchen erst in die preußische Verwaltungszeit. In der besonderen Entwicklungsakte der Grube König, Akte Nr. 137, heißt es: "Den ersten Anlaß hierzu gab die Absicht der Hüttengewerkschaft Gebrüder Stumm, ihre Hochöfen mit Koks zu betreiben. Im Verfolg der deshalb unterm 18. November 1818 an das Königliche Oberbergamt zu Bonn gerichteten Vorstellung forderte diese in Rücksicht auf den besorglichen Holzkohlenmangel und unter dem Hinweis, daß ein Grubenbetrieb nur auf landesherrliche Rechnung geschehen könne, daß Königliche Bergamt zu Saarbrücken auf, ausführliche Vorschläge über den zweckmäßigen Angriff eines der bei Neunkirchen zu eröffnenden Kohlenförderung einzureichen und hierbei die Erwägung zu ziehen, ob es rätlich und nützlich sei -bei der allenthalben festzuhaltenden Absicht möglichster Concentration der Förderungspunkte- nach Begründung einer ansehnlichen Förderung bei Neunkirchen noch die Zechen von Kohlwald und Wellesweiler, welche von diesen und in welchen Verhältnissen bestehen zu lassen".

 

Nachdem zwischenzeitlich ausgeführte Schürfarbeiten mehrere Steinkohlenflöze nachgewiesen hatten, wurde im Jahre 1820 beschlossen, die festgestellten Flöze durch einen anzulegenden Stollen und durch Tagesstrecken vorzurichten. Die neue Stollengrube nahm im Jahr 1821 den Betrieb auf und erhielt aus Anlass des ersten Besuchs des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III am 21. und 22. Juni 1921 in Saarbrücken den Namen "Königsgrube".

 

Der Hauptförderstollen, der sog. "Friedrich-Wilhelm-Stollen", wurde zunächst rund 52 m querschlägig aufgefahren. Die Tagesstrecken ermöglichten die Bewetterung des oberflächennahen Abbaufeldes. Die weitere Entwicklung des Grubenbetriebs war gekennzeichnet durch eine stetige Verlängerung des Friedrich- Wilhelm-Stollens und der von ihm ausgehenden Grundstrecken. Gemäß Generalbefahrungsplan vom Jahre 1848 betrug seine Länge schließlich 620 m.

 

Begleitend zum sukzessiven Ausbau des Stollenbetriebs waren bereits 1842 wiederum auf Initiative der Neunkircher Eisenhütte Pläne zur tieferen Lösung der Königsgrube vorgelegt worden. Im Juli 1844 begannen die Abteufarbeiten an einem neuen Haupt- und Förderschacht, der den gleichzeitig vorgetriebenen Wasserlösungsstollen, der 19 m unter der Friedrich-Wilhelm- Stollensohle zu liegen kam, erreichte. Bei der Generalbefahrung am 01. und 02. November 1849 erhielt er den Namen Wilhelm-Schacht 1. Als erste Grube im Raum Neunkirchen vollzog somit die Grube König den Übergang zum Schachtbau, wobei der Grubenbetrieb jedoch -wie aufgezeigt- als doppelsohliger Stollenbetrieb charakterisiert werden muss, bei dem dem Wilhelm-Schacht die Aufgabe zukam, zwischen beiden Sohlen die Verbindung herzustellen. Zur Beseitigung der zahlreichen Wasserzuflüsse war 1846 im Wilhelm- Schacht zudem die einzige im Kreis Ottweiler auf einer Grube bestehende Dampfmaschine aufgestellt worden.

 

 

Bergleute der Grube König führten die Vorarbeiten zu zwei neuen Gruben aus. Im Juli 1846 begann das Auffahren des neuen Wasserlösungsstollens im Klinkental, der bei der Generalbefahrung am 10. Oktober 1846 den Namen "Reden-Stollen" erhielt. Am 12. Juni 1847 wurde am rechten Gehänge des Holzhauertales der "Heinitz- Stollen" angesetzt. Westlich des Reden-Stollens begannen im Oktober 1847 die Abteufarbeiten am Maschinenschacht, des späteren Reden-Schachtes 1. Zum 01. Januar 1851 wurden die beiden neuen Förderstandorte im Holzhauser- und Landsweiler Tal selbständige Gruben mit den Namen Grube Heinitz und Grube Reden.

 

Im Jahr 1854 wurde mit dem Wilhelm-Schacht 2 ein weiterer Förderschacht abgeteuft, womit der Obergang vom Stollen- zum Tiefbau endgültig vollzogen wurde. Der Friedrich-Wilhelm-Stollen wurde im März 1855 nach 34 Jahren in Förderung stillgelegt. 1857 folgte das Anschlagen des Ziehwaldstollens, der als Förder- und Transportstollen diente und an der Eisenbahnlinie nordwestlich des Kuchenberges auf diese traf. Seit 1828 hatte man der Grube eine Kokerei angegliedert, die 1859 über 102 Öfen verfügte. Acht Jahre später legte man sie indessen wieder still. Nachdem die beiden Wilhelm-Schächte bis auf die sog. "Saar-Sohle" weiter geteuft worden waren, wurde der Abbau erheblich ausgedehnt. Mit dem Follenius-Schacht (Rhein-Nahe-Bahn-Schacht), Mehlpfuhl-Schacht (1868) und Wilhelm-Schacht III (1870) wurden drei weitere Schächte niedergebracht. Nachdem man indessen infolge bestimmter Abbaubedingungen den Mehlpfuhlschacht 1887 wieder abwerfen musste - sein Abbaufeld befand sich unterhalb des Neunkircher Stadtgebietes-, brachte man 1890 die Hermine-Schächte l und 2 sowie 1893 den Wetterschacht Wilhelm 4 nieder, teufte 1897 bzw. 1898 den Minna- und Sinnerthal-Schacht ab und schlug schließlich 1907 noch den der Wasserhaltung dienenden Heusnersweiherschacht an. 1929 begann das Abteufen des Hermine-Schachts 3.

 

Unter der Verwaltung der Saargruben AG wurden auf vielen Teilgebieten im Unter- und Übertagebetrieb neue Maschinen beschafft, neue Techniken eingeführt, leistungsstärkere Motoren und Anlagen eingebaut oder schon bestehende entsprechend erweitert. 1936 wurde der Follenius-Schacht und der Wilhelm- Schacht 3 verfüllt und am ausziehenden Minna-Schacht eine Methangas-Gewinnungsanlage errichtet.

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Grube König systematisch zu einer der führenden Gruben des Saarreviers und der Bergwerksdirektion Ost ausgebaut. 1957 wurde das Abteufen des neuen, im Kohlwald gelegenen Wetterschachtes der Grube König, des Gegenort-Schachtes, angekündigt. Am 26. August 1963 wurde am Minna-Schacht Rauch festgestellt. Dieser Grubenbrand zwang zum Abdämmen des gesamten Ostfeldes der Grube. Am 28. Juni 1964 ging auf dem Schacht Hermine l ein neuer Ventilator in Betrieb. Das Grubenfeld König wurde in das West-, Mittel- und Ostfeld eingeteilt. Der Sinnerthal-Schacht war für das West-, der Hermine- Schacht l für das Mittel- und der Minna-Schacht für das Ostfeld als ausziehende Schächte installiert. Die Maschinensätze waren für ca. 10.000 Kubikmeter Wetter/Minute ausgelegt. Einziehschächte waren die Wilhelm-Schächte l und 2, der Gegenort-Schacht und der Schacht Hermine 3. 1965 besaß das Baufeld König eine streichende Länge von 2500 m und eine querschlägige Ausrichtung von 3600 m. Die Hauptfördersohle lag in 806 m Teufe, die Wettersohle in 631 m Teufe.

 

 

Nach der Stillegung der Grube Heinitz am 24. November 1962 vereinigte man am 01. Januar 1964 die bis dahin selbständigen Gruben König und Dechen zu einem Verbundbergwerk. Die Abbaumöglichkeiten der Grube aber waren schon wegen der notwendigen Sicherheitspfeiler im Gebiet des Neunkircher Eisenwerks und unter dem Stadtgebiet sowie durch den Circe-Sprung im Norden begrenzt. Ab dem 01. Juli 1967 wurden auf der Grube König-Dechen nur noch auf einer Schicht Kohlen gefördert. Mit der Teilstillegung konnte die Förderung auf 3.000 t täglich reduziert werden. In diesem Jahr waren auf der Grube noch 1.889 Mitarbeiter beschäftigt, die eine Jahresförderung von 1.151.075 Tonnen, wobei die Leistung unter Tage bei 2.803 Kg pro Mann und Schicht lag, erreichten. Am 31. März 1968 wurde die Grube stillgelegt, die Restvorräte wurden von der Grube Reden übernommen. Der untertägige Verbund der Grube König mit der Grube Reden war mit dem Durchschlag der Richtstrecke Ost auf der 600-Meter-Sohle bereits vollzogen worden.

 

 

 

Die Grube Wellesweiler

 

 

Die Grube Wellesweiler war eines der ältesten Bergwerke des Saarlandes gewesen. Das Ausgehende der Flöze am Nordhang des Bliestales und ihre flache Lagerung um 5 Grad bis 10 Grad schufen ideale Voraussetzungen für die schon im 16. Jahrhundert einsetzende Kohlengräberei. Erstmals wird der Steinkohlenbergbau bei Wellesweiler im Jahr 1575 genannt, wobei man nur aus den im jeweiligen Flöz aufgefahrenen Strecken gefördert hat. Um 1771 wurden dann erste Versuche einer querschlägigen Flözausrichtung begonnen. Dieser Wechsel in der Kohlenabbautechnik hatte auch eine interne Standortverlagerung am Gewinnungsort Wellesweiler zur Folge. Die bis dahin in den Waldgebieten nördlich des Ortes ausgeführte Kohlengräberei war fast ausschließlich in Form des sog. "Pingenbaus" durchgeführt worden. Die neuen Kohlengewinnungspunkte des Stollenbaus suchten hingegen das Bliestal auf. Der sog. "Untere Stollen" der Grube Wellesweiler erreichte 1769 eine Länge von 167 m. 1773 verfügte die Grube bereits über vier Stollen, in denen 32 Arbeiter nach Kohlen gruben. Die Einführung dieser neuen Abbautechnik ließ die Grube zwischen 1779 und 1792 zur förderstärksten Grube des Saarreviers werden. Durchschnittlich ein Viertel der Produktion aller Saargruben wurde in diesem Zeitraum in Wellesweiler zutage gefördert. Um 1815 waren dann fünf Flöze, die von verschiedenen Tagesstrecken aus angegriffen wurden, in Abbau. Man beschäftigte etwa 80 bis 90 Bergleute und förderte jährlich rd. 10.500 Tonnen. Im Jahre 1816 wurde der sog. Palmbaumstollen oberhalb des Bliespegels angeschlagen.

 

Nach der Eröffnung der Grube König im Jahre 1821 ging die Förderung zunächst zurück. Zur Klärung der Lagerungsverhältnisse und zur Identifizierung der Wellesweiler- und Neunkircher Flöze wurden Untersuchungsarbeiten auf dem rechten Bliesufer durchgeführt. 1823 wurden die bislang mit Nummern bezeichneten Flöze mit Namen verdienter Bergbeamter und Mineralogen belegt (Sello, Heusler, Fulda und Becher). Im Jahre 1826 begann sich der Absatz infolge einer Erhöhung des Kohlenpreises der Grube König zu heben und gestaltete sich in den nächsten 10 Jahren sehr lebhaft. Im Jahre 1836 trat sogar ein Arbeitermangel auf. In dieser Zeit wurden weiterhin die Flöze Nöggerath, Koch und Hardt erschlossen, ein Pulverturm erbaut und das 1822 erbaute Zechenhaus vergrößert. Bis zum Jahre 1842 nahmen Absatz und Förderung weiter zu. Bei Aus- und Vorrichtungsarbeiten trat man auf die Flöze Derschau und Martins, die Belegschaft belief sich auf rd. 300 Mann. Das Jahr 1842 brachte mit 49.273,25 Tonnen bei 337 Mann Belegschaft die höchste Förderung, die bis 1894 nicht mehr erreicht werden konnte.

 

Seit 1842, besonders bedingt durch den Umstand, dass die Pfälzische Ludwigsbahn bzw. deren 1850/1851 erfolgten Anschlüsse nach Heinitz und Reden in Betrieb genommen wurden, ging die Förderung immer stärker zurück, da das Absatzgebiet in der Pfalz und im Elsaß weitgehend von den beiden anderen Gruben übernommen wurde. 1842 erbaute die Wellesweiler Grube auch eine Kokerei mit 20 Öfen. Da der Koks jedoch qualitätsmäßig gegenüber dem der Grube König abfiel, musste der Betrieb der Kokerei im Jahre 1858 eingestellt werden.

 

Der Betrieb der kleinen, durch schwierige Lagerstättenverhältnisse und Störungen gekennzeichneten und von Schlagwettern und Grubenbränden mehrfach heimgesuchten Grube beschränkte sich bis zum Ende der 1850er Jahre auf den Abbau der hangenden Flöze über den 1822 und 1825 in Angriff genommenen Tagesstrecken Helene und Katharina. Letztgenannte blieb bis zum Jahr 1860 noch in Betrieb, obwohl man schon seit 1859 ausschließlich durch den Palmbaumstollen die Förderung zu Tage brachte. 1860 begann man vom Palmbaumstollen aus mit der Ausrichtung des noch unverritzten Feldes am sog. Kissel. 1870 erfolgten der Aufschluss des Spezialsattels und das Teufen eines Wetterschachtes im Burggraben. Das Projekt einer großen Tiefbauanlage im Schmalwieser Wald musste wegen des ungünstigen Ausfalls der Aufschlüsse im Jahre 1873 aufgegeben werden, hingegen wurde im Jahre 1875 am Südhang des Kohlgrubenwaldes ungefähr in der Mitte des Feldes ein Förderschacht niedergebracht, mit dem man unterhalb der Palmbaumstollensohle in Abständen von 22 m, 30 m und 60 m die Mittelsohle bzw. die erste und zweite Tiefbausohle ansetzte.

 

Da die Grube nur für den Landabsatz förderte, konnte sich das Bergwerk nicht entwickeln. Absatz und Förderung gingen zurück, zumal die Grube Frankenholz eine ständige Aufwärtsentwicklung zu verzeichnen hatte. Die jährliche Förderung lag zwischen 7.000 t und 29.000 t. Größere Fördermengen sind für die Jahre 1872 und 1890/1891 überliefert (32.850 t bzw. 32.500 t). Der Förderung entsprechend schwankte die Belegschaftszahl zwischen 60 und 180 Mann.

 

Die geringe bergwirtschaftliche Bedeutung der Grube Wellesweiler hielt auch im 20. Jahrhundert an, obwohl man 1898/1899 einen Pelzer-Ventilator anstelle des 1846 erbauten Wetterofens einsetzte, im Jahre 1900 einen sog. Ventilatorschacht bis zur 1. Tiefbausohle niederbrachte, 1902 eine Kaffeeküche errichtete, 1917 einen Eisenbahnanschluss mit Seilbahn herstellte und 1918 ein Kompressorenhaus erbaute. Der Abbau bewegte sich bis 1918 hauptsächlich auf der Mittelsohle sowie auf der 1. und 2. Tiefbausohle in den Flözen Heusler, Nöggerath, Koch, Becher, Fulda und Nasse l und 2. Die Förderung erfolgte über den Schacht bis zur Palmbaumsohle und durch diesen nach über Tage.

 

Im Jahre 1921 gliederte die französische Verwaltung die Grube Wellesweiler der neuerrichteten Division Bexbach an. Für das Jahr 1922 wird eine Nettoförderung von 68.912 Tonnen angegeben. 1923 wurde die Grube Wellesweiler mit der Grube Bexbach durch eine 1374 m lange Richtstrecke verbunden, die in Wellesweiler gewonnenen Steinkohlen wurden im Schacht Bexbach 2 zu Tage gefördert. Schlagzeilen machten in den nächsten Jahren nur noch Brände, die wiederholt ausbrachen und an Heftigkeit zunahmen. Im Februar 1932 verkündete die französische Bergverwaltung die Stillegung der Grube Bexbach-Wellesweiler zum 15. April. Aufgrund massiver Proteste der Bevölkerung und der Bergleute wurde dieser Stillegungsbeschluss zunächst zurückgenommen. Als dann im Jahre 1935 weitere Brände in der Grube auftraten, musste der Gewinnungsbetrieb fast vollständig aufgegeben werden und die Schließung vorbereitet. Von der 642 Mitglieder zählenden Belegschaft wurden 130 nach Frankenholz und 50 zur Grube König verlegt. Die Kohlenförderung wird am 15. Mai 1936 eingestellt. Am 31.12.1936 waren alle Schächte verfüllt und mit eisenbewehrten Betonplatten abgedeckt.

Die privaten Bergbaubetriebe im Neunkircher Raum

 

 

Zur Behebung des allgemeinen Kohlenmangels in der Nachkriegszeit erklärte sich die damalige Saargrubenverwaltung bereit, im östlichen Neunkircher Stadtbereich Feldesteile der ehemaligen Grube Wellesweiler an Privatfirmen zu verpachten. Deren Gewinnungsbereiche wurden durch Verträge mit der Saarbergwerke AG exakt festgelegt. Es entstanden so eine Reihe von Kohlenkleinbetrieben, die am Ausgehenden der Flöze früher stehengelassene Restpfeiler von verschiedenen Flözen der Fettkohlengruppe gewannen und direkt an die Bevölkerung verkauften.

 

Von einer Schachtbau-Gesellschaft wurde die Grube "Am Kissel" bei Wellesweiler betrieben, die als Abraumbetrieb die unter der Oberfläche anstehenden Kohlenrestbestände der alten Grube Wellesweiler ausbeutete. Daneben unterhielt die gleiche Firma auch zwei Stollenbetriebe im Rombachtal. Diese beiden Grubenbetriebspunkte dürften in der Folgezeit von der "Firma Otto Ranker" übernommen worden sein, welche im Umkreis der ehemaligen Tagesanlagen der Grube Wellesweiler Abbau auf alten Flözresten durchführte. Mitte der 50er Jahre belief sich deren Förderung auf 400 bis 500 t/Monat.

 

Als bedeutendster Kohlenkleinbetrieb im Wellesweiler Raum ist die "Grube Krämer" anzusprechen, die südlich der Blies nahe der von Neunkirchen nach Wellesweiler führenden Straße (Bliesstraße) Abbau in den hangenden Sulzbacher Schichten des Westfal C betrieb. Auch dieser Standort knüpfte an bergbauliche Tradition an. Die Grube Wellesweiler hatte hier ihren Förderpunkt im "Schmalwieser Wald" unterhalten und die ehemalige Ziegelei Mundorf hatte am Berghang des Steinwaldes Tonsteinvorkommen (Flöz 11 und Flöz Natzmer) ausgebeutet.

 

Auf Grund der geringen Förderleistung und des Angewiesenseins auf den Landabsatz hatten diese Kohlenkleinbetriebe nur lokale Bedeutung. 1956 förderten die beiden noch verbliebenen Bergbaubetriebe "Grube Ranker" 2.800 t und "Grube Krämer" 8.200 t Fettkohlen. Während die Stollenanlage der Grube Krämer im Jahr 1960 bei einer Jahresförderung von 4.044 t ihren Betrieb einstellte, wurde die Grube Ranker auf dem Gelände der ehem. Grube Wellesweiler weiterbetrieben. 1965 musste allerdings der bisherige Untertagebetrieb wegen Erschöpfung der Lagerstätten stillgelegt werden. Nachdem die Abdämmungsarbeiten im Herbst des Jahres 1965 abgeschlossen werden konnten, wurde der Grubenbetrieb unter neuer Leitung (Firma Bergbauunternehmen Breinig KG mit Sitz in Neunkirchen) auf Tagebau umgestellt. Im Umkreis des Kisselschachtes wurde mit der Ausbeutung der oberflächennah anstehenden Flöze Nöggerath und Koch begonnen. Der Obergang zum Tagebaubetrieb erbrachte eine beachtliche Ausweitung der Förderkapazitäten. Bei einer durchschnittlichen Belegschaftsstärke von 15 Mann konnte die Fördermenge von 5.892 t (1965) auf 10.903 t (1970) gesteigert werden. 1971 wurde bei 18 Arbeitern mit 51.477 t verwertbarer Förderung die höchste Kohlenmenge erzielt. Die hohen Fördermengen zu Beginn der 70er Jahre waren vor allem bedingt durch die zusätzliche Ausbeutung von Flözvorkommen auf dem Gelände der Neunkircher Eisenhütte. Seit diesem Zeitpunkt trat auch hier eine rückläufige Entwicklung ein. Zum Jahresende 1976 musste auch dieser private Steinkohlenförderstandort wegen Erschöpfung der Kohlenvorräte aufgegeben werden. Die noch ein Jahr zuvor mit der Erkundung eines neuen Tiefbaufeldes begonnenen Untersuchungsarbeiten im Flöz Serlo konnten nicht weitergeführt werden. Die Firma Breinig KG trat in Liquidation. Die Betriebseinrichtungen wurden an die beiden übrigen zum damaligen Zeitpunkt im Saarland existierenden Kleinkohlenbetriebe (Dr. Arnold Schäfer GmbH in Reisbach, Bergwerksgesellschaft Merchweiler GmbH) veräußert.

 

Als besondere Kuriosität sei abschließend auf die Kohlengewinnung der Ziegelei W. Koeppl hingewiesen. Das an der Spieser Straße gelegene Ziegelwerk beutete auf werkseigenem Gelände am Abhang zur ehemaligen Grube König den Tonstein 3 (To 3) der Sulzbacher Schichten des Westfal C aus, welcher eine durchschnittliche Mächtigkeit von 30 cm erreicht. Die anstehenden Kohlenflöze wurden mitgewonnen und gestatteten dem Werk, einen Beitrag zur Senkung der eigenen Energiekosten zu leisten. Die Fettkohlenförderung der Jahre 1960 bis 1966 schwankte zwischen 772 und 2050 t. 1967 wurde auch hier die Förderung eingestellt.

 

 

 

Der Neunkircher Grubenweg und seine Bestandteile

 

 

Unter dem Motto "Sie können losgehen!" hatte am 22. und 23. Juni 1996 die Kreisstadt Neunkirchen zur offiziellen Eröffnung und Einweihung ihrer "Neunkircher Grubenwege" auf die zwischen Neunkirchen und Ottweiler an der B 41 gelegene Gegenort- Schachtanlage eingeladen. Zwei Jahre nach Beginn der Arbeiten konnte somit dieses vom Autor im Auftrag der Kreisstadt Neunkirchen erarbeitete und umgesetzte Projekt der Öffentlichkeit übergeben werden. Mehrere Tausend Interessierte fanden sich an diesem Wochenende auf dem ehemaligen Grubengelände ein und zeigten sich begeistert von den restaurierten und zur Besichtigung freigegebenen Anlageteilen. Viele nutzten zudem die Möglichkeit, im Rahmen von Führungen Teilbereiche der neu eingerichteten Neunkircher Grubenwege abzugehen und dabei Wissenswertes über den Bergbau im Neunkircher Raum zu erfahren. Das erste Fazit lautete einhellig: Nicht nur die ehemalige Schachtanlage Gegenort, auch das, was die Neunkircher Grubenwege sonst noch zu bieten haben, lohnen den Besuch!

 

Die große Resonanz und das überaus positive Echo, die das Projekt damals fanden, haben sich seitdem eher noch verstärkt. Viele Menschen haben zwischenzeitlich die zu den Neunkircher Grubenwegen erstellte Begleitbroschüre gelesen und sich entweder selbständig oder aber im Rahmen von organisierten Führungen ein Bild von den Zeugnissen der bergbaulichen Vergangenheit Neunkirchens gemacht. Es besteht Einigkeit darüber, dass die Kreisstadt Neunkirchen mit der Schaffung ihrer Grubenwege nunmehr über eine geeignete Einrichtung verfügt, ihre bergbaulichen Wurzeln angemessen zu präsentieren.

 

Die Neunkircher Grubenwege bestehen aus insgesamt 65 Stationen, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt liegen. Jede Station informiert über einen oder auch mehrere bergbauliche Sachverhalte. Alle Stationen zusammenhängend betrachtet erlauben eine umfassende Dokumentation der bergbaulichen Vergangenheit Neunkirchens.

 

Wesentliches Anliegen des Projektes war es diesbezüglich, das "Thema Bergbau in Neunkirchen" in all seinen Facetten und mit all seinen Auswirkungen auf Mensch und Landschaft darzustellen. Die Dokumentation der Entwicklung der Neunkircher Hauptgruben Kohlwald, König, Heinitz und Dechen wird dementsprechend nicht nur über die Vermittlung der technischen Seite bergbaulicher Aktivitäten versucht. Vielmehr haben auch das bergbauliche Siedlungs- und Sozialwesen, geologische Sachverhalte, der bergbaubedingte Landschaftswandel und die Aspekte der Kunst und der Kultur im Bergbau Eingang in diese differenzierte Form der Themeninterpretation gefunden. Somit warten auf die Besucher der Neunkircher Grubenwege eine Vielzahl interessanter und aussagekräftiger Objekte, wobei die Objektliste der Bestandteile der Neunkircher Grubenwege von Betriebsgebäuden, technischen Aggregaten, verschiedenen Typen von Bergarbeiterunterkünften, Wohlfahrts- und Sozialeinrichtungen, über Bergehalden und Absinkweihern bis hin zu Zeugnissen der Erdgeschichte und Beispielen für gelungenes Industrieflächenmanagements auf ehemaligen Bergbauflächen reicht. Somit hat der Neunkircher Grubenweg den Anspruch, neben der Vermittlung der orts- und grubenspezifischen Sachverhalte auch Grundsätzliches über den Saarbergbau und aktuelle Entwicklungstendenzen zu vermitteln.

 

Die Neunkircher Grubenwege bestehen zum einen aus drei Wanderwegen. Der 6 km lange "Grubenweg 1" erlaubt anhand von 11 Stationen Einblicke in die Vergangenheit des Steinkohlenbergbaus im Wiebelskirchener Raum und führt im Besonderen zu Zeugnissen und Objekten, die der ehem. Grube Kohlwald zuzurechnen sind. Im Mittelpunkt des aus 15 Stationen bestehenden, insgesamt 5 km langen "Grubenwegs 2", stehen die überkommenen Tagesanlagen der Grube König. Zudem erschließt er einige eindrucksvolle im Bereich der Neunkircher Kernstadt liegende Zeugnisse des bergbaulichen Siedlungs- und Sozialwesens. Der "Grubenweg 3" führt schließlich zu 29 Stationen, die die Geschichte und die Entwicklung der ehem. Gruben Heinitz und Dechen veranschaulichen. Im Besonderen beschreibt und analysiert er den umfassenden Landschaftswandel, der infolge des Bergbaus stattgefunden hat. Mit einer Wegstrecke von 9 km ist er der längste der drei Neunkircher Grubenwege. Darüber hinaus haben zehn weitere, in den Neunkircher Stadtteilen Wellesweiler, Wiebeiskirchen, Hangard und Sinnerthal gelegene bergbauliche Zeugnisse Aufnahme in das Konzept des Neunkircher Grubenwegs gefunden. Da sie nicht in einen der genannten Rundwege integriert werden konnten, werden sie als "Einzelobjekte" geführt und entsprechend behandelt.

 

Alle Bestandteile der Neunkircher Grubenwege sind durch große, einheitlich gestaltete und durchnummerierte Hinweistafeln kenntlich gemacht. Die zu den Grubenwegen entwickelte Begleitbroschüre erläutert die Wegeverläufe und die verschiedenen Stationen. Dabei wird erkennbar, dass viele der präsentierten bergbaulichen Objekte und Zeugnisse von großer Aussagekraft und hohem kulturellen Wert sind. Auf Grund ihres Informationsgehaltes müssen sie als Objekte von lokaler und regionaler, teilweise sogar als solche mit landesweiter und nationaler Bedeutung bewertet werden. Entsprechend sind die Neunkircher Grubenwege geeignet, verschiedene Zielgruppen anzusprechen und zu erreichen. Zum einen richten sie sich an die einheimische Bevölkerung und verstehen sich als Beitrag zum Wachhalten der eigenen Geschichte und zum Darstellen der eigenen historischen Wurzeln. Zum anderen fügen sich die Neunkircher Grubenwege nahtlos in das Gesamtkonzept der öffentlichkeits- und tourismusorientierten Aktivitäten der Kreisstadt Neunkirchen ein, das die Stadt zwar im Umbruch begriffen und in der Phase der Neuorientierung darstellt, aber keinen Zweifel daran lässt, dass man sich seiner historischen Wurzeln bewusst ist und diese erhalten und auch pflegen will. Diesbezüglich ist in Neunkirchen mit der Umsetzung dieses Vorhabens in vielerlei Hinsicht Bemerkenswertes und -bezogen auf das Saarland- Beispielhaftes gelungen. Es ist zu hoffen, dass auch andere in dieser vom Steinkohlenbergbau geprägten Region dem Neunkircher Vorbild folgen und mit Phantasie und Kreativität ebenfalls nach Wegen suchen werden, das ihnen verantwortete bergbauliche Erbe dauerhaft zu sichern.

 

 

 

Von der Idee zum "fertigen Produkt" - die Zeittafel zum Neunkircher Grubenweg

 

 

 

Seitdem zahlreiche Aktivitäten zur Weiterentwicklung der Konzeptidee und zur Attraktivitätssteigerung der Neunkircher Grubenwege:

 

 

Der "Neunkircher Grubenweg l"

(11 Stationen)

 

Zeugnisse des Steinkohlenbergbaus im Wiebelskircher Raum

 

 

Die Stationen im einzelnen:

 

1.  Schachtanlage Gegenort

2.  Preußisches Vierfamilien-Bergarbeitermietshaus

3.  Sog. Schürflöcher im Kohlwald - Relikte des "wilden Kohlengrabens" am      

     Flözausgehenden

4.  Halde und Absinkweiher der Grube Kohlwald

5.  Bergarbeiter-Mehrfamilienhäuser (1950/60er Jahre)

6.  Beamten-Doppelhaus aus der Verwaltungszeit der Mines Domaniales Francaises

7.  Preußische Doppelhaus-Architekturen für Bergbeamte

8.  Gelände der ehem. Schachtanlage Anna II/IV der Grube Kohlwald

9.  Ensemble bestehend aus sieben Bergarbeiter-Doppelhäusern

10. Repräsentative Direktorenhäuser aus der französischen Verwaltungszeit (1920-35)

11.  Gelände der ehem. Schachtanlage Anna I/III der Grube Kohlwald

 

 

 

 

Der "Neunkircher Grubenweg 2"

(14 Stationen)

 

Die Grube König und Objekte des bergbaulichen Siedlungs- und Sozialwesens im Neunkircher Stadtgebiet

 

 

Die Stationen im einzelnen:

 

12.  Fördergerüst "Wilhelm I" (1940/63) der Grube König

13.  Fördermaschinenhaus der Wilhelm-Schächte I und II (zwischenzeitlich abgebrochen)

14.  Geologischer Aufschluß in der Neunkircher Tongrube

15.  Bergarbeiter-Mietshauskolonie Betzenhölle

16.  Haupthalden des Bergwerks König

17. Ehem. Magazingebäude der Grube König

18.  Ehem. Kaue der Grube König

19.  Ehem. Werkstatt der Grube König

20. Aussichtspunkt mit Panoramablick auf das Industriegebiet König und das Gelände des

      ehem. Neunkircher Eisenwerks

21.  Beispiele von sog. "Prämienhäusern"

22.  Gebäude der früheren bergmännischen Berufsschule

23.  Bergbeamten-Doppelhäuser aus der preußischen Ära

24.  Preußische Bergarbeiter-Vierfamilienmietshäuser

25. Arbeiter-Doppelhaus mit markanten Fachwerkfassadenelementen und aussagekräftigem

      Wirtschaftsgebäude

 

 

 

Der Neunkircher Grubenweg 3

(30 Stationen)

 

Bergbauliche Zeugnisse im Bereich der ehem. Bergwerke Heinitz und Dechen

 

Die Stationen im einzelnen:

 

26. Repräsentative Direktorenhäuser aus der Zeit der Mines Domaniales Francaises

27.  Ehem. Casinogebäude der Grube Heinitz

28.  Schwimmbad Heinitz, hervorgegangen aus einer preußischen Wohlfahrtseinrichtung

29. Ehem. Festplatz der Grube Heinitz

30. Mundlocharchitektur des Heinitz-Stollens (1847)

31. Fünf französische Doppelhaus-Architekturen (nach 1920)

32.  Zwei preußische Vierfamilienhäuser mit dazugehörenden Wirtschaftsgebäuden

33.-35. Verschiedene Typen von preußischen Bergarbeiter-Doppelhäusern

36.  Ehem. Werkstattgebäude der Kokerei Heinitz

37.  Ehem. Verwaltungsgebäude der Heinitzer Kokerei

38.  Halle der ehem. Heinitzer Kokereigasmaschinenzentrale

39.  Früheres Produktionsgebäude der Kokerei Heinitz

40. Verwaltungsgebäude der ehem. Inspektion Heinitz

41.  Gebäude der ehem. Benzolfabrik

42. Ehem. Hauptwerkstatt der Grube Heinitz

43.  Ölkeller und Stollenstücke

44.  In Schwelbrand befindliche ehem. Haupthalde Heinitz

45.  Gelände der ehem. Geisheck-Schächte

46.  Binsenthaler Weiher

47. Umspanngebäude auf dem Gelände der ehem. Grube Dechen

48.  Schachthalde der Dechen-Schächte

49. Weihersbacher Weiher

50. Heinitzer Weiher

51. Aussagekräftiges preußisches Bergarbeiter-Doppelhaus

52. Arbeiter-Doppelhäuser mit aufwendiger Sandsteinmauerung

53.  Großes Wirtschaftsgebäude

54.  Ensemble bestehend aus drei Bergarbeiter-Vierfamilienhäusern

55.  Zeile mit vier Direktorenhäusern

 

 

 

Wertvolle Einzelobjekte mit bergbaulichem Bezug in Neunkirchen:

 

 

A. Mundlocharchitektur des Palmbaum-Stollens der ehem. Grube Wellesweiler (Station 56)

 

B.  Geologischer Aufschluß auf dem Gelände der ehem. Privatgrube Krämer (Station 57)

 

C. Häuserzeile mit verschiedenen Typen von sog. Prämienhäusern (Station 58)

 

D.  Fördermaschinenhaus der ehem. Schachtanlage Minna mit seltenen Jugendstil-

      Fassadenelementen (Station 59)

 

E.  Ehem. Inspektionsgebäude mit dazugehörigem Nebengebäude (Station 60)

 

F.  Repräsentatives Direktorenhaus (Station 61)

 

G.  "Glück-Auf-Apotheke" - aus einer ehem. Wohlfahrtseinrichtung hervorgegangen (Station

       62)

 

H. Standort der ehem. Hermine-Schachtanlage, heute Kohlenlagerplatz der Saarbergwerke

     AG (Station 63)

 

I.  Gelände der ehem. Schachtanlage Hangard (Station 64)

 

J. Gelände der ehem. Schachtanlage  Sinnerthal (Station 65)