Von der Heydt verdankt seine Entstehung dem Steinkohlenbergbau. Die ersten Zeugnisse über Kohlenbergbau im so genannten Burbachtal entstammen dem 18. Jahrhundert. Im Jahre 1850 gründete der Preußische Bergfiskus dann eine Grube, die nach dem preußischen Handels- und Finanzminister August Freiherr von der Heydt (1801-1874) benannt wurde. Die Entwicklung der Grube findet als Folge der Weltwirtschaftskrise 1932 ihr Ende. In den Jahren 1951/52 werden die beiden Amelung-Schächte nochmals gesümpft und als ausgehende Wetterschächte der Püttlinger Grube Viktoria genutzt. 1965 erfolgt die endgültige Stilllegung der Grube Von der Heydt.
Von den ausgedehnten Tagesanlagen der Grube, die ursprünglich im oberen Burbachtal standen, ist nur weniges erhalten geblieben. Das Fördermaschinenhaus des im Jahre 1885 angeschlagenen Schachtes Amelung I ist ein schönes, aus sandsteinernen Kleinquadern errichtetes eingeschossiges Gebäude mit Satteldachabschluss. Das ehemalige Magazingebäude dient heute als Schreiner-Lehrwerkstatt. Der Ziegelbau weist zwei langgestreckte fünfachsige, eingeschossige Seitenflügel und einen zentralen zweiachsigen, zweigeschossigen Mitteltrakt auf. Er war in den Jahren 1885/86 erbaut worden und wurde nachträglich als Werkstattgebäude und als Kaffeeküche genutzt. Das in unmittelbarer Nähe zum Schacht Amelung II gelegene ehemalige Zechenhaus ist ein ansehnliches, für Zechengebäude typisches Gebäude aus rot-braunem Klinker mit herausgehobenem Mittelteil. Es stammt aus den frühen 1950er Jahren, als die Grube Von der Heydt reaktiviert wurde. Damals diente das Gebäude als zentrales Verwaltungsgebäude und Kaue. Das um 1870 entstandene und komplett erhalten gebliebene Bahnhofsgebäude weist einen dreiachsigen, dreigeschossigen Mitteltrakt auf, an den zwei zweigeschossige Flügel angesetzt worden sind. Satteldächer bzw. Walmdächer schließen das reizvolle Gebäude, das im Empfangsgebäude des Bahnhofes der ehemaligen Grube Itzenplitz in Heiligenwald ein bauliches Gegenstück besitzt, ab.
Besondere Bedeutung kommt den Stollenmündern des so genannten Burbachstollens zu. Innerhalb einer aus recht großen Quadersteinen gefügten Böschungsmauer stecken die beiden Mundlöcher. Das linke weist einen korbbogigen Eingang unterhalb eines Abschlussgesimses auf, glatt gehauene Quader rahmen die Öffnung. Leider versperrt ein Splitterschutz aus rotem Sandstein die Öffnung, so dass die Architektur nicht zur Geltung kommen kann. Das rechte Mundloch ist rundbogig gebildet und zugesetzt. Der 1.872 m lange Burbachstollen wurde 1855 angeschlagen und im Gegenortbetrieb vorgetrieben. 1860 wurden die Stollenörter an einen Unternehmer übertragen, am 05. Oktober 1861 waren alle Gegenörter miteinander durchschlägig. 1865 konnte eine maschinelle Seilförderung mit Vorder- und Hinterseil und einer 30 PS starken Fördermaschine in Betrieb genommen werden, doch musste diese Art des Transports bereits am 01. Juli 1869 wiedereingestellt werden, da die Grube den Betrieb auf wenige Betriebspunkte konzentriert hatte. 1873 nahm man die Förderung aus dem Burbachstollen -diesmal mit einer Kettenbahn- wieder auf und behielt diese Methode bis zum Jahre 1917 bei, um sie dann durch eine Seilförderung zu ersetzen. Seit den Jahren 1909/10 wurden die im Steinbachtal gewonnenen Kohlen im Steinbachschacht III bis zur Burbachstollensohle gehoben und dort abgezogen. Die beiden zwischen 1855 und 1860 entstandenen schlichten Mundlocharchitekturen halten die Erinnerung an diese spektakuläre Fördermethode aufrecht.
Die preußische Werkssiedlung Von der Heydt ist im Gegensatz zur Grube in wesentlichen Teilen erhalten geblieben. Sie besteht zum einen aus zwei großen "Schlafhäusern", in denen die als "Saargänger", "Ranzenmänner" oder "Hartfüßer" bezeichneten, weit entfernt beheimateten Bergleute die Woche über einquartiert waren und zum anderen aus Mietshäusern, die ausschließlich der Unterbringung von Beamten vorbehalten waren.
Die in Von der Heydt erhaltenen beiden Schlafhäuser stellen heute die wichtigsten und eindrucksvollsten Beispiele dieser Bauaufgabe, die als spezifische Kulturleistung des Saarbergbaus zu interpretieren ist, im Saarrevier dar. Beide dokumentieren den Schlafhaustyp der so genannten "Repräsentativen Schlafkaserne", der nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 in der Gründerzeitphase entwickelt worden war. Das 70 m lange, 19 m tiefe zweigeschossige Schlafhaus I, heute genutzt vom Landesamt für Kataster-, Vermessungs- und Kartenwesen, entstand zwischen 1873 und 1875. Die Fassaden des für 250 Einlieger konzipierten Baus, der in der Bevölkerung kurz "Casino" genannt wird, zeigt ein kaum verändertes Äußeres. Der Mittelrisalit in der Hauptfassade betont die Symmetrie der edlen Sandsteinarchitektur. Neben Schlafräumen für die Arbeiterschaft war im linken Flügel ein "Beamtencasino" untergebracht. Ein Ausschank-, Lese- und Billardzimmer standen den Beamten hier zur standesgemäßen Freizeitgestaltung zur Verfügung. Komplettiert wurde deren Freizeitangebot von einer überdachten Kegelbahn, einem kleinen Musikpavillon für sonntägliche Konzerte und dem unmittelbar hinter dem Schlafhaus befindlichem so genannten "Bierkeller".
Dessen aufwendig gestaltete, um 1875 entstandene Eingangsarchitektur, die einen dahinter liegenden Grubenbau vortäuscht, sucht im Saarbergbau ihresgleichen. Die symmetrisch zur Mittelachse angelegte Architektur setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Vor einem rückwärtigen, von drei achteckigen Türmchen mit dazwischenliegendem Zinnenkranz gekrönten, pylonartigen Baukörper, der sich nach oben zu leicht verjüngt und an den Kanten mit Buckelquadern zusammengefasst wird, steht das eigentliche Mundloch innerhalb eines niedrigeren, vorspringenden Bauteils, der an ein mittelalterliches, von seitlich angeordneten Türmen begleitetes Tor erinnert und dessen Brüstungsteil das Bergbauemblem Schlägel und Eisen trägt. Die Architektur ist kompliziert-reich aufgebaut und lebt aus dem Wechsel von glatten und bossiert-rauhen Mauerflächen, vier- und achteckigen Türmchen und aus dem Wechsel der unterschiedlich hoch angesiedelten Gesimse. Die "Erfindung" eines solchen Mundlochs gehört zu den charakteristischen Architekturleistungen des Historismus in den Jahren um 1870. Das Mundloch des Von der Heydter Bierkellers ist sicherlich eines der am reichsten gestalteten des Deutschen Bergbaus. Vom 1886 begonnenen und 1890 vollendeten Schlafhaus II, das 288 Bergleute aufnehmen konnte, ist lediglich der rechte Seitenflügel erhalten. Dennoch ist das Erscheinungsbild beeindruckend. Die Außenwände sind ganz in unverputztem Sandstein ausgeführt. Die einzelnen Geschosse sind deutlich ablesbar durch Geschossgesimse voneinander abgesetzt. Die vergitterten Fensteröffnungen lassen noch heute die frühere Zweckbestimmung des Gebäudes, das heute von der Landesforstverwaltung genutzt wird, erahnen. Zucht und strengste Ordnung bestimmten das Leben in den Schlafhäusern.
Die Siedlung Von der Heydt besteht des Weiteren aus drei Einfamilienhäusern, die der Unterbringung höherer Bergbeamten dienten, acht Zwei-, Vier- und Sechsfamilienhäusern, in denen mittlere Beamte wohnten und der ehemaligen Schule. Alle Gebäude entstanden zwischen 1870 und 1890. So unterschiedlich die Gebäude auch sind, lassen sich doch eine Vielzahl von Gemeinsamkeiten feststellen. Alle Gebäude haben Satteldächer, giebelseitige Eingänge und separat stehende Wirtschaftsgebäude, die auf der zum jeweiligen Gebäude gehörenden Parzelle stehen. Einzelne Details verleihen den Beamtenhäusern eine zusätzliche ästhetische Qualität. Einmalig im bergbaulichen Siedlungswesen des Saarreviers sind die kunstvoll gestalteten Holzveranden, die die Eingangssituationen einzelner Gebäude zieren und betonen.
Die Bergarbeiterkolonie Von der Heydt ist von höchster landeskultureller und sozialgeschichtlicher Bedeutung. Sie steht vollständig unter Denkmalschutz. Die beschriebene Gebäudesubstanz befindet sich mittlerweile in einem guten Zustand, so dass der Bestand der Siedlung als gesichert gelten kann. Somit wird es in Von der Heydt auch zukünftig möglich sein, eine Vorstellung vom bergmännischen Wohnen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu gewinnen. Darüber hinaus lässt sich in Von der Heydt das direkte Nebeneinander von Wohn- und Arbeitsplatz des Bergmanns darstellen. Der Besuch dieser preußischen Mustersiedlung lohnt also aus vielerlei Gründen.
Text: Delf Slotta
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